Discussion:
Mal wieder 1001 Nacht
(zu alt für eine Antwort)
Judith Baltsar
2004-11-10 13:48:18 UTC
Hallo allerseits,
nachdem ich es lange vor hatte, habe ich mich jetzt mal an die
Geschichten aus 1001 Nacht gemacht. Zunächst die neue Übersetzung von
C. Ott (zu der noch mal etwas zu sagen seien wird, jetzt nur so viel:
ganz glücklich bin ich mit ihr nicht). Und als alte Bibliomanin habe
ich mir auch gleich die Version von Weil und die Kompilation
zusätzlicher Geschichten von Tauer zugelegt. Littmann habe ich bisher
nur eine best of Version, wird aber auch noch kommen.

Jetzt entdecke ich, das es bei Reclam auch eine Version gibt,
übersetzt von M. Henning. Kann jemand etaws zu der Übersetzung sagen?
Mich würde ja allein schon das Bett-freundlichere Reclam-Format
freuen, die Ott-Version ist doch, bei aller Liebe zu typographisch
aufwendiger Gestaltung, fast etwas zu unhandlich. Kann jemand sagen,
wie "original-getreu" bzw. geglättet die Übersetzung ist?

Ciao
Judith
Wolf Busch
2004-11-10 17:23:52 UTC
Post by Judith Baltsar
nachdem ich es lange vor hatte, habe ich mich jetzt mal an die
Geschichten aus 1001 Nacht gemacht. Zunächst die neue Übersetzung von
ganz glücklich bin ich mit ihr nicht).
Für diejenigen, die noch nichts von dieser Übersetzung gehört haben:
<http://www.tausendundeine-nacht.com/daswerk.html>
Dort kann man auch eine Leseprobe herunterladen.
Post by Judith Baltsar
Und als alte Bibliomanin habe
ich mir auch gleich die Version von Weil und die Kompilation
zusätzlicher Geschichten von Tauer zugelegt. Littmann habe ich bisher
nur eine best of Version, wird aber auch noch kommen.
Jetzt entdecke ich, das es bei Reclam auch eine Version gibt,
übersetzt von M. Henning. Kann jemand etaws zu der Übersetzung sagen?
Bestimmt kann das jemand, ich habe sie aber leider nicht gelesen. ;)

Die Übersetzung von Max Henning ist kurz vor 1900 in mehreren Bänden
bei Reclam erschienen, das waren seinerzeit deutlich über 4500 Seiten,
wenn ich das richtig sehe. Die aktuelle Reclamausgabe hat nur 852
Seiten, sie ist also entweder deutlich platzsparender gedruckt oder
gekürzt.
Post by Judith Baltsar
Mich würde ja allein schon das Bett-freundlichere Reclam-Format
freuen, die Ott-Version ist doch, bei aller Liebe zu typographisch
aufwendiger Gestaltung, fast etwas zu unhandlich.
Du interessierst Dich für die Geschichten aus 1001 Nacht, hast
bereits Übersetzungen von Ott, Weil und Tauer; der komplette Littmann
soll auch noch dazukommen, außerdem bist Du Bibliomanin. Tja, da
wirst Du wohl nicht darum herumkommen, Dir die Übersetzung von Henning
auch noch zuzulegen. ;)

Schöne Grüße,
Wolf
Judith Baltsar
2004-11-11 08:12:42 UTC
Post by Wolf Busch
Die Übersetzung von Max Henning ist kurz vor 1900 in mehreren Bänden
bei Reclam erschienen, das waren seinerzeit deutlich über 4500 Seiten,
wenn ich das richtig sehe. Die aktuelle Reclamausgabe hat nur 852
Seiten, sie ist also entweder deutlich platzsparender gedruckt oder
gekürzt.
Hallo Wolf,
das ist doch schon mal interessant, es ist also eher was aus der
Kategorie Littmann/Weil und nichts moderneres. Dann kann ich
vielleicht doch vorerst drauf verzichten (obwohl ... natürlich ...
wenn ich das Buch jetzt zufällig irgendwo ... ...)
Post by Wolf Busch
Du interessierst Dich für die Geschichten aus 1001 Nacht, hast
bereits Übersetzungen von Ott, Weil und Tauer; der komplette Littmann
soll auch noch dazukommen, außerdem bist Du Bibliomanin. Tja, da
wirst Du wohl nicht darum herumkommen, Dir die Übersetzung von Henning
auch noch zuzulegen. ;)
Weil & Tauer habe ich mir für wenige Euros antiquarisch gekauft, da
kenne ich im Moment wenig Skrupel - das Leben ist schließlich hart
genug. Ich würde mir auch gerne zum Vergleich die Burton'sche Ausgabe
zulegen (im Project Gutenberg gibt's den Text ja), aber an eine
Buchausgabe ist wohl nur schwer ranzukommen.

Ich find's einfach spannend wie unterschiedlich die Versionen sind und
suche jetzt nach einer Version, die einerseits möglich umfangreich ist
und meinen stilistischen Vorstellungen genügt. An der guten Frau Ott
stören mich, je länger ich drüber nachdenke, doch so ein paar Punkte:

# die Floskeln zur täglichen Unterbrechung der Geschichten. Hat man
das Prinzip einmal kapiert, nerven die Unterbrechungen auf die Dauer
nur; sie mögen zwar im Original (aber was ist schon DAS Original bei
der Sammlung) dabeisein, zu den eigentlichen Geschichten, die ja nach
und nach zu der Sammlung kamen, gehören sie jedenfalls nicht.

# die Gedichtübertragungen mögen zwar in Metrik und Reimstruktur und
was weiß ich was noch dem Original sehr nahe kommen, ich finde sie
aber oft sehr holprig zu lesen

# der Verlag preist die Übersetzung ja als "frisch" oder so ähnlich
an, ich finde aber eher ein ziemliches stilistisches Kuddelmuddel. Und
wenn ich dann in der einen Geschichte die Worte "Möse", "Fotze" und
"Fickparadies" lesen muß, dann habe ich das Gefühl, ich müsste mir
erstmal die Hände waschen. Hätte es da in der literarischen
Aservatenkammer nicht was weniger plump-vulgäres gegeben? Das ist doch
keine Milieu-Beschreibung einer Gelsenkirchener Berufschultoilette!
Oder bin ich da zu empfindsam?

Na ja, Frau Ott bekommt noch mal 'ne Chance und dann sehen wir weiter.

Ciao
Judith
Wolf Busch
2004-11-11 14:54:38 UTC
Post by Judith Baltsar
Ich find's einfach spannend wie unterschiedlich die Versionen sind und
suche jetzt nach einer Version, die einerseits möglich umfangreich ist
und meinen stilistischen Vorstellungen genügt. An der guten Frau Ott
# die Floskeln zur täglichen Unterbrechung der Geschichten. Hat man
das Prinzip einmal kapiert, nerven die Unterbrechungen auf die Dauer
nur; sie mögen zwar im Original (aber was ist schon DAS Original bei
der Sammlung) dabeisein, zu den eigentlichen Geschichten, die ja nach
und nach zu der Sammlung kamen, gehören sie jedenfalls nicht.
Wahrscheinlich stehen diese Floskeln so in der alten Handschrift,
das muß man dann eben so hinnehmen. Aus heutiger Sicht klingt das
natürlich ziemlich dröge, so daß man mit einer bearbeiteten Version
vielleicht doch besser bedient ist. Seinerzeit wurden die Geschichten
ja auch nicht einfach unverändert weitererzählt, sondern sie haben
sich im Laufe der Zeit gewandelt.

Aber ich finde es jedenfalls gut, daß man durch diese neue Übersetzung
eine ungefähre Vorstellung davon bekommt, was in dieser alten
Handschrift tatsächlich steht.
Post by Judith Baltsar
# der Verlag preist die Übersetzung ja als "frisch" oder so ähnlich
an, ich finde aber eher ein ziemliches stilistisches Kuddelmuddel. Und
wenn ich dann in der einen Geschichte die Worte "Möse", "Fotze" und
"Fickparadies" lesen muß, dann habe ich das Gefühl, ich müsste mir
erstmal die Hände waschen. Hätte es da in der literarischen
Aservatenkammer nicht was weniger plump-vulgäres gegeben?
Wenn ich etwas nachdenke, würden mir eventuell noch einige Wörter
einfallen. ;)
Post by Judith Baltsar
Das ist doch
keine Milieu-Beschreibung einer Gelsenkirchener Berufschultoilette!
Oder bin ich da zu empfindsam?
Nun, es ist doch so, daß es ein Lastträger ist, der diese Wörter
gebraucht. Eine Frau deutet auf die Stelle zwischen ihren Schenkeln
und fragt den Lastträger, wie er das nennt. Was soll er da antworten?
Der Mann ist Lastträger, kein Philologe oder Poet. Wenn man in
der Übersetzung die obszönen Wörter durch gefälligere Ausdrücke
ersetzt hätte, wäre doch der Witz völlig zerstört worden. Außerdem
verwendet der Mann die Wörter nicht ungestraft. Daß er solche Wörter
nicht gebrauchen soll, wird ihm ja von den Frauen recht nachdrücklich
eingebleut. ;)

Bei Burton klingt das übrigens so:

| Then she came up out of the cistern and throwing herself
| on the Porter's lap said, "O my lord, O my love, what callest
| thou this article?" pointing to her slit, her solution of
| continuity. "I call that thy cleft," quoth the Porter, and she
| rejoined, Wah! wah, art thou not ashamed to use such a word?" and
| she caught him by the collar and soundly cuffed him. Said he
| again, Thy womb, thy vulva;" and she struck him a second slap
| crying, "O fie, O fie, this is another ugly word; is here no
| shame in thee?" Quoth he, "Thy coynte;" and she cried, O thou!
| art wholly destitute of modesty?" and thumped and bashed him.
| Then cried the Porter, "Thy clitoris," whereat the eldest
| lady came down upon him with a yet sorer beating, and said, "No;"
| and he said, " 'Tis so," and the Porter went on calling the same
| commodity by sundry other names, but whatever he said they beat
| him more and more till his neck ached and swelled with the blows
| he had gotten; and on this wise they made him a butt and a
| laughing stock. At last he turned upon them asking, And what do
| you women call this article?" Whereto the damsel made answer,
| "The basil of the bridges."

In der deutschen Übersetzung: "Basilikum, das auf den Brücken sprießt".

Schöne Grüße,
Wolf
Gregor Arlt
2004-11-14 09:58:59 UTC
Post by Judith Baltsar
Weil & Tauer habe ich mir für wenige Euros antiquarisch gekauft, da
kenne ich im Moment wenig Skrupel - das Leben ist schließlich hart
genug. Ich würde mir auch gerne zum Vergleich die Burton'sche Ausgabe
zulegen (im Project Gutenberg gibt's den Text ja), aber an eine
Buchausgabe ist wohl nur schwer ranzukommen.
Die Burtonsche Übersetzung habe ich in der Taschenbuch-Ausgabe der
_Modern Library_ letzte Woche erst in der Hand gehabt, kostete unter EUR
7,00. Die gebundene Ausgabe, sofern derzeit lieferbar, sollte um die EUR
20,00 kosten. Ob diese Ausgaben im Vergleich zum Original von 1885-88
gekürzt sind weiß ich nicht.

Empfehlenswert soll auch die englische Übersetzung von Husain Haddawy
(1990) sein, beschränkt sich allerdings auf die Geschichten, die bereits
in den ältesten Manuskripten zu finden sind.

Für mehr Informationen über 1001 Nacht bietet sich an: Robert Irwin,
_The Arabian Nights: A Companion_ (1994) - gibt es auch auf deutsch, mit
entsprechend ergänzter Bibliographie.

Gruß,
Gregor Arlt
Patrick Borer
2004-11-11 21:33:09 UTC
Judith Baltsar <***@gmx.de> schrieb:

(...)
Post by Judith Baltsar
ganz glücklich bin ich mit ihr nicht). Und als alte Bibliomanin habe
ich mir auch gleich die Version von Weil und die Kompilation
zusätzlicher Geschichten von Tauer zugelegt. Littmann habe ich bisher
nur eine best of Version, wird aber auch noch kommen.
Littmann hat wohl die umfangreichste Uebersetzung angefertigt (kann am
ehesten "Vollständigkeit" beanspruchen). Gerade hat der Insel-Verlag
die sechs Bände in schlichter, aber recht hübscher Aufmachung (rotes
Leinen) neu herausgebracht, ist für 128 Euro erhältlich, ISBN
3-458-17214-9.

Wer einfach möglichst billig an den gesamten Littmann-Text herankommen
möchte, kann sich aber auch die Lizenzausgabe im Komet-Verlag für EUR
29,95 kaufen (ISBN 3-89836-308-2), das sind dann allerdings
Taschenbücher von der Papierqualität englischer "mass market
paperbacks", die Klebebindung hält immerhin erstaunlich gut.

Beide Ausgaben reproduzieren den Text der Insel-Erstausgabe (1953)
fotomechanisch.

Patrick Borer
Sebastian Will
2004-11-11 22:45:22 UTC
Post by Patrick Borer
Wer einfach möglichst billig an den gesamten Littmann-Text herankommen
möchte, kann sich aber auch die Lizenzausgabe im Komet-Verlag für EUR
29,95 kaufen (ISBN 3-89836-308-2)...
Diese Ausgabe gibt es bei Jokers momentan für 19,95 EUR.
http://www.jokers.de/tabelle_ar3.asp?WEA=&artnr=396096&rub=1&Urub=14

Gruß
Sebastian
--
The Crime In Your Coffee
http://justblog.blogdns.org/crimecoffee/
Rüdiger Silberer
2004-11-14 14:09:24 UTC
Post by Sebastian Will
Post by Patrick Borer
Wer einfach möglichst billig an den gesamten Littmann-Text herankommen
möchte, kann sich aber auch die Lizenzausgabe im Komet-Verlag für EUR
29,95 kaufen (ISBN 3-89836-308-2)...
Diese Ausgabe gibt es bei Jokers momentan für 19,95 EUR.
http://www.jokers.de/tabelle_ar3.asp?WEA=&artnr=396096&rub=1&Urub=14
Bestellt.
--
ade Rüdiger
aktuell: Die Brüder Karamasow
zuletzt: Der Zauberberg
Cédric Menge
2004-11-11 23:23:10 UTC
Gerade hat der Insel-Verlag die sechs Bände in schlichter, aber recht
hübscher Aufmachung (rotes Leinen) neu herausgebracht, ist für 128
Euro erhältlich, ISBN 3-458-17214-9.
Wer einfach möglichst billig an den gesamten Littmann-Text
herankommen möchte, kann sich aber auch die Lizenzausgabe im
Komet-Verlag für EUR 29,95 kaufen (ISBN 3-89836-308-2), das sind dann
allerdings Taschenbücher von der Papierqualität englischer "mass
market paperbacks", die Klebebindung hält immerhin erstaunlich gut.
Ich hab' hier die Littmann-Übersetzung als Insel-Taschenbücher, 12 Bände
im Schuber, ISBN 3-458-31924-7, sehr schönes Papier, gute (Klebe-)
Bindung.

Hat damals (~2002) ziemlich genau 50EUR gekostet.

Laut Amazon zur Zeit wohl leider nur noch antiquarisch zu haben,
allerdings läßt die Auflagenfolge 02 01 00 99 98 97 vielleicht doch noch
eine weitere Auflage erhoffen.
Beide Ausgaben reproduzieren den Text der Insel-Erstausgabe (1953)
fotomechanisch.
dto., hier steht:
"Die Ausgabe ist text- und seitenidentisch mit der
sechsbändigen gebundenen Ausgabe des Insel Verlages"
(ja, ohne "-" zwischen Insel und Verlag)


Cédric